Basiswissen & Hygiene

Das Basiswissen versorgt Sie mit Grundlagen und bietet Ihnen einen Einblick in die verschiedenen Herstellungsweisen, Hygienemaßnahmen und Zusammensetzungen der herzustellenden Produkte.

Allgemeine Hygienebestimmungen

Vor dem Arbeiten sollte der Platz, an dem gerührt wird, sauber sein. Die Arbeitsfläche gründlich reinigen, mit 70%igen Isopropylalkohol einsprühen und mit Küchenpapier auslegen, damit Sie die desinfizierten Arbeitsgeräte wie Bechergläser, Rührstäbe, Messlöffel etc. darauf abstellen können.

Achten Sie insbesondere auf saubere Hände, die Sie nach dem gründlichen Waschen zusätzlich mit Alkohol desinfizieren. Bei Empfindlichkeit eignen sich Einweghandschuhe.

Geeignetes Wasser, welches Sie für Ihr Rezept benötigen, kann destilliertes Wasser, stilles Mineral- und weiches Leitungswasser sein.

Nicht immer ist das Wasser keimfrei und sollte aus diesem Grund noch einmal bis zu 5 Minuten aufgekocht werden, um es weitgehend von Keimen zu befreien. Sie können das Wasser vorab schon einmal aufkochen, dann können Sie die benötigte Wassermenge nach dem Abkühlen nur noch auf die gewünschte Temperatur erwärmen. Auch Blütenwässer sollten Sie nach Öffnung kurz aufkochen.

Halten Sie alle Zutaten griffbereit und vermeiden Sie den Kontakt mit den Händen beim Dosieren oder Abstreifen der Rohstoffe. Benutzen Sie dafür die bereitgelegten Utensilien und säubern Sie jedes Mess- oder Rührinstrument nach dem Kontakt mit Rohstoffen erneut mit Alkohol.

Direkt nach der Fertigstellung sollten Sie die ausreichend konservierte Creme oder Lotion in eine mit Alkohol, oder durch andere Art der Desinfektion, gesäuberte Dose, Spender oder Flasche füllen und fest verschließen.

Die Rohstoffe sollten nach Gebrauch kühl und gut verschlossen aufbewahrt werden.

Zur Desinfektion gibt es mehrere Möglichkeiten

Ideal ist ein Dampfdruck- oder Schnellkochtopf für alle hitzebeständigen Geräte wie Bechergläser, Glasflaschen, Glasdosen, Glasstäbe oder Metallspatel. Innerhalb von 20 Minuten werden weitgehend alle Mikroorganismen und Sporen vernichtet.

Nicht jeder hat ein solches Gerät zur Verfügung. Es eignet sich auch ein Desinfektionsgerät für Babyflaschen. Ebenso können Sie das hitzebeständige Zubehör in Wasser abkochen.

Verwenden Sie nur sauberes Zubehör, am Besten aus der Spülmaschine. Wichtig ist, dass alles in heißem Wasser ausgespült wurde und anschließend, vor dem Gebrauch, mit 70%igem Alkohol eingesprüht wird. Vergessen Sie nicht die Deckel und Schraubgewinde gründlich von allen Seiten mit Alkohol einzusprühen.

Tipp

Säubern Sie, speziell bei fetten Ölen, den Flaschenhals und das Gewinde nach der Verwendung, da es sonst im Deckel ranzig riechen kann. Sollten Flaschen nur noch ca. halb voll sein, empfehlen wir, die Öle in kleinere Flaschen umzufüllen um Oxidation zu verhindern.

Grundausstattung Übersicht

  • 2-3 hitzebeständige Bechergläser (100 / 250 ml)
  • Glasrührstab
  • Spatel (Holz / Kunststoff )
  • Meßlöffel 2,5 ml
  • Waage (1 g – genau)
  • Thermometer (-10°C bis 100° C)
  • Cremedosen / Spender / Zerstäuber
  • Etiketten zum Beschriften
  • evtl. Rührstab / Milchaufschäumer / Stabmixer nach Bedarf
  • Tropfpipette

Tipp

Das Zubehör-Set eignet sich optimal für den Einstieg in die Kosmetik zum Selbermachen und umfasst 1 Becherglas 150ml, 1 Becherglas 250 ml, 1 Glasrührstab, 1 Messlöffel, 2,5 ml, 1 Kunststoffspatel, 1 Thermometer bis 100 °C und 1 Tropfpipette.

Dosierhilfe

  • 1 ml ≈ 20 Tr. ≈ 0,8 g Fett/Öl
  • 1 Messl. ≈ 2,5 ml ≈ 2 g Fett/Öl
  • Tropfpipette zeigt 0,25 ml, 0,50 ml, 0,75 ml und 1 ml an

BEISPIEL:

gewünschter Wirkstoff sei Alpha-Bisabolol (0,5%) (Endprodukt = 100 ml) 100 ml * 0,5% = 0,5 ml
1 ml = 20 Tr. ≈ 0,8 g Fett/Oel
0,5 ml = X
0,5 * 20 Tr./1 = 10 Tr.

Abkürzungen

  • Messl. = Messlöffel der Hobbythek von 2,5 ml
  • TL = Teelöffel
  • Msp. = Messerspitze
  • Tr. = Tropfen
  • ml = Milliliter
  • g = Gramm

Tipps zur Vorbehandlung einiger Rohstoffe

Allantoin

Dieser kosmetische Rohstoff ist wasserlöslich und nicht hitzeempfindlich. In die kalte oder heiße Wasserphase einarbeiten, wobei die Löslichkeit durch Wärme erhöht wird.

Coenzym Q10

Das Q10 ist nur in Öl löslich. Je nach Herstellungsart wird das Q10 entweder direkt in die Ölphase eingearbeitet (warmgerührte Creme) oder in einem Löffel, Schälchen oder Messlöffel Öl je nach Rezept, aufgelöst und anschließend in die Cremebasis eingerührt (kaltgerührte Creme).

Harnstoff

Harnstoff ist hitzeempfindlich und wasserlöslich. In etwas zimmerwarmem, destillierten/ab- gekochten Wasser auflösen und anschließend in die handwarme Emulsion einrühren.

Hyaluronsäure

Nehmen Sie vorab von der Wasserphase etwas Wasser ab (2,5-5 ml, für eine Messerspitze), geben es z.B. in ein Schälchen oder Messlöffel und lösen Sie darin die Hyaluronsäure. Sollte sie etwas zu gelig werden, setzen Sie noch etwas Wasser hinzu und warten einige Zeit bis sie sich verbunden hat. Dann in die handwarme Emulsion oder fertige Cremebasis einrühren.

Die Grundbestandteile einer Creme

Wasser

Für die Feuchtigkeit.

Öle

Es werden meistens Pflanzenöle in Cremes verwendet, da sie vitaminreich und hautfreundlich sind. Als Öle kommen Mandelöl, Avocadoöl, Jojobaöl oder Sesamöl, um nur einige zu nennen, zum Einsatz. Die Öle können in den Rezepten nach Bedarf auch ausgetauscht werden bzw. Sie können auch verschiedene Öle miteinander vermischen.

Konsistenzgeber

Sind ebenfalls Öle oder Fette. Sie sorgen für die Festigkeit einer Creme. Konsistenzgeber beeinflussen nicht nur die Konsistenz einer Emulsion, sondern haben auch hautpflegende Eigenschaften. Mehr Festigkeit in einer Creme gibt: Bienenwachs und Cetylalkohol. Mildere Festigkeit in einer Creme gibt: Sheabutter, Kakaobutter, Lanolin.

Emulgatoren

Sie sorgen dafür, dass sich beide Phasen, das Wasser mit dem Öl, verbinden. Typische Emulgatoren sind Tegomuls, Emulgin Pellets und Emulsan II. Fluidlecithin CM und Super sowie Mulsifan eignen sich als Kaltemulgatoren. Aber auch die Konsistenzgeber Lanolin, Bienenwachs und Sheabutter sind leichte Emulgatoren.

Zusatz- und Wirkstoffe

Diese werden unterschiedlich eingearbeitet, je nachdem ob sie wasser- oder fett- löslich oder hitzeempfindlich sind. Meistens werden sie in die handwarme Creme eingerührt, damit die spezifischen Eigenschaften und Wirksamkeiten, wie pflegend, feuchtigkeitsspendend, regenerierend, antioxidativ, nicht zerstört werden.

Die Herstellung einer warmgerührten Creme

Die Herstellung einer Creme erfolgt bei der warmgerührten Variante so gut wie immer auf dieselbe Weise. Damit wir Ihnen eine größere Auswahl an Rezepten zur Verfügung stellen können, erklären wir Ihnen auf den folgenden Seiten die einzelnen Schritte, so dass Sie sicher durch den Rührvorgang kommen. Die meisten Rezepte basieren auf diesem Prinzip.

Die Mengenumrechnung Gramm und Milliliter kann etwa gleich gesetzt werden. Zwar wiegen z.B. 100 ml Öl weniger als 100 g, aber für die grobe Berechnung von kleineren Mengen reicht es vollkommen aus, wenn man so vorgeht. Notfalls bei Grammangaben von Ölen ca. 5-10 % mehr in Milliliter ansetzen.

20 – 30 Tropfen entsprechen ca. 1 ml des jeweiligen Rohstoffes. Dabei kann man davon ausgehen, dass die Tropfen bei festeren Rohstoffen und Ölen größer sind, als z.B. diejenigen von Alkohol und etherischen Ölen. Oft erleichtert eine Pipette die Dosierung. Wir empfehlen jedoch, eine Waage zu kaufen, die Ihnen das Abwiegen von 0,01 g erlaubt. Die einmalige Anschaffung lohnt sich. Für den Anfang reicht die Küchenwaage, die 1,0 g abwiegen kann.

zur Anleitung

1. Herstellung der Fettphase

Hierzu werden die benötigten Zutaten (der Emulgator, das Öl und evtl. der Konsistenzgeber) abgewogen und in ein feuerfestes Glas gefüllt. Dann wird alles erhitzt, am Besten im Wasserbad, bis die Zutaten aufgeschmolzen sind. Wichtig ist, dabei die Temperatur von 70° nicht zu überschreiten, weil sonst die im Öl befindlichen Vitamine ihre Wirkung verlieren. Deshalb auch alle Pflanzenbutter, wie z.B. Sheabutter und Mangobutter erst in die erhitzte und aufgeschmolzene Fettphase hinzufügen. Ist eine größere Menge an Fettphase hergestellt worden, so nimmt man die angegebene Menge für das Rezept ab und füllt sie ebenfalls in ein feuerfestes Becherglas.

2. Herstellung der Wasserphase

Parallel zur Fettphase wird für die Wasserphase destilliertes Wasser, welches noch einmal abgekocht werden sollte, verwendet. Idealerweise wird in einem Becherglas etwas mehr als die benötigte Menge Wasser zum Kochen gebracht, da ein Teil verdunsten kann und wieder auf 70° C abgekühlt. Sie können ebenso das schon vorher abgekochte erkaltete Wasser im Wasserbad wieder auf max. 70° C erwärmen. Die evtl. wasserlöslichen Wirkstoffe wie z.B. Glycerin, Allantoin, Xanthan, Koffein, welche im Rezept angegeben sind, werden hinzugefügt und gut eingerührt. Wird ein Blütenwasser als Ersatz für Wasser genommen, so muss dieses nur auf 70° C erwärmt werden.

3. Herstellung der Emulsion (Creme)

Wenn beide Phasen dieselbe Temperatur von ca. 70°C erreicht haben, wird langsam die Wasserphase in die Fettphase gerührt. Dabei hat sich bei den meisten Rezepten die Benutzung eines Milchaufschäumers bewährt. Nach 1-2 Minuten beiseite legen und mit einem Glasrühstab oder Spatel mindestens 5 Minuten kräftig weiter rühren, bis die so entstandene weißliche Lotion etwa Handwärme von ca. 30° C erreicht hat.

Bei größeren Mengen kann es von Vorteil sein, ein Rührgerät mit hoher Umdrehungszahl, z.B. einen Stabmixer zu verwenden. Zu Anfang ist die Konsistenz der Emulsion recht dünnflüssig. Je mehr sie jedoch abkühlt, desto fester wird sie.

Bitte Geduld und den Rührvorgang nicht zu früh abbrechen.

Sobald die Lotion Handwärme hat, werden die weiteren Zusatz- und Wirkstoffe nacheinander langsam unter Rühren hinzugefügt. Danach die Creme so lange weiter rühren bis sich alles vollständig verteilt hat.

ACHTUNG: Bei W/Ö Emulsionen wird die Wasserphase tröpfchenweise in die Ölphase eingeträufelt und immer gut verrührt, bevor der nächste „Schluck“ Wasserphase hinzukommt. Die Wasserphase muss sehr langsam eingearbeitet werden.

4. Konservieren

Das Konservieren ist sehr wichtig um eine Verkeimung zu vermeiden. Konservierungsstoffe wirken mikrobiozid oder mikrobiostatisch auf Bakterien, Hefen und Schimmel und werden in die auf ca. 30° C (Handwärme) abgekühlte Creme gerührt.

Durch die Menge des Konservierers wird das Mindesthaltbarkeitsdatum der Lotion bzw. Creme bestimmt. Wenn nicht konserviert wird wegen evtl. Unverträglichkeit, sind die Produkte im Kühlschrank nur max. 1-2 Wochen haltbar.

Bei unkonservierter Kosmetik muss besonders auf die saubere Entnahme, zum Beispiel mit einem desinfizierten Spatel oder Löffel geachtet werden!

5. PH-Wert prüfen und einstellen

Sie können pH-Teststäbchen oder Indikatorpapier von der Rolle verwenden.

Es kommt auf die Zusammensetzung der Lotion an, ob der pH-Wert eingestellt werden muss. Oft ist ausschlaggebend, welcher Konservierer verwendet wird. Bei Paraben K und Biogard 211 ist es nicht immer nötig, aber bei einigen anderen Konservierern. Eingestellt wird der pH-Wert mit Milch-oder Zitronensäure. Oft reicht ein Tropfen bei einer Menge von 50 ml hergestellter Lotion oder Creme aus.

Zur Sicherheit sollte man immer prüfen, indem man das Teststäbchen in die Emulsion taucht, wieder herauszieht, die Creme abstreicht und ein wenig wartet. Vergleichen Sie dann das Teststäbchen oder den Teststreifen mit der Farbskala auf der Verpackung. Wenn der pH-Wert nicht den passenden Wert hat, immer nur einen Tropfen der Säure hinzufügen, gut durchrühren und wieder kontrollieren. Den Messvorgang so oft wiederholen bis die Creme den richtigen pH-Wert von 5 oder 5,5 hat.

Bei der Herstellung von Shampoos und Duschgelen ist die Prüfung und damit verbundene pH-Werteinstellung mit Zitronensäure ebenso wichtig.

6. Abfüllen

Direkt nach der Herstellung wird die Creme oder Lotion in ein mit Alkohol gereinigtes, leeres Gefäß gefüllt und verschlossen.

7. Etikettieren

Die Dose oder Flasche wird mit einem Etikett, auf dem der Name des Pro duktes sowie das Herstellungs- und Haltbarkeitsdatum steht, versehen.

Lassen Sie Ihre Creme oder Lotion 24 bis 48 Stunden stehen. Erst nach der Reifezeit hat sie ihre optimale Wirkung und Konsistenz erreicht.

Herstellung einer kaltgerührten Creme

Cremaba HT und Cremaba Plus wurden entwickelt, um eine völlig neutrale, den Hautlipiden ähnliche Cremegrundlage zu schaffen, die sich, ohne die Haut in irgendeiner Form zu belasten, mit dem natürlichen Hautfett verbindet und Wirkstoffe optimal freigibt. Bei diesen Produkten handelt es sich um Cremebasen, die anders als herkömmliche Cremes, in lamellarer (schichtförmiger) Struktur vorliegen, die an den Aufbau der natürlichen Lipidbarriere der Haut erinnern.

Durch ihre hautähnliche Membranstruktur mit hautähnlichen Lipiden sorgen sie für eine Wiederherstellung der natürlichen Hautfunktionen und für das Einschleusen von Zusatzstoffen ohne die Anwendung von Emulgatoren. Hautfeuchtigkeit und Hautfestigkeit nehmen zu, die natürliche Lipidsperrenfunktion wird wieder hergestellt.

Cremaba Plus enthält einen zusätzlichen Feuchtigkeitsspender und keinen Alkohol. Bei Rezepten auf Cremaba HT und Cremaba Plus Basis werden die Öle, Zusatz- und Wirkstoffe einfach nacheinander kalt in die fertige Cremegrundlage eingerührt.

Durch die Struktur der Cremaba Basen ist das kalte Einarbeiten von Ölen, Zusatz- und Wirkstoffen bis zu einer Konzentration von 10 % möglich. Sie können die fertige Creme in dem Tiegel lassen oder in eine Cremedose nach Ihrem Geschmack umfüllen.

Herstellung eines Shampoos oder Duschgels

Vermischen Sie die einzelnen Tenside mit einem Glasrührstab in einem Becherglas miteinander, bis eine homogene Masse entstanden ist. Oder verwenden Sie die fertige Tensidmischung.

Für die Wasserphase wird lauwarmes, destilliertes/abgekochtes Wasser in der benötigten Menge abgemessen und die entsprechenden Zusatzstoffe für die Wasserphase sowie Sanfteen darin gelöst. Sanfteen löst sich nur in der Wasserphase. Die Wasserphase in die Tensidmischung einrühren, bis eine homogene Masse entstanden ist und sich eventuelle Klümpchen gelöst haben.

Tipp

Nicht zu stark rühren, da die Masse schnell zum Schäumen neigt. Anschließend die Zusatz- und Wirkstoffe gründlich unterrühren. Die Zitronensäure zur Einstellung des pH-Wertes zugeben. Bei Bedarf das Rewoderm Li zum Verdicken portionsweise einrühren. – Das Rewoderm Li dickt erst nach einigen Minuten an! Für die Haltbarkeit den Konservierungssto Biogard 221 hinzufügen. Bei Bedarf parfümieren. Das fertige Shampoo oder Duschgel in eine mit Alkohol gereinigte Leer asche füllen und gut verschließen. Die Flasche mit einem Etikett versehen, auf dem der Name und das Haltbarkeitsdatum des Produktes vermerkt sind. – Sollte das Shampoo zu dünnflüssig sein, kann nachträglich, aber vor der Abfüllung in die Leerflasche, noch ein Messlö el Rewoderm Li eingerührt werden